Navro’z in Berlin: Wie ein Frühlingsfest zur kulturellen Brücke wurde
Ort: Humboldt-Forum im Berliner Schloss
Datum: 21.03.2026
Anlass: Fest „Nouruz, Newroz, Nauroz“
Festival Co-Kuratorin / Kuratorin des usbekischen Teils: Zukhra Rakhmatova
Künstler: Dilfuza Qobilova mit dem Ensemble „Milliy Meros“ der staatlichen usbekischen Philharmonie, Tanzmeisterin Malika Khaidarova, und weitere
Projektbeschreibung:
Mit rund 9.000 Besucher:innen wurde das Navro’z-Fest im Humboldt Forum zu einem der größten kulturellen Highlights des Jahres. Es entstand ein erlebbarer Kulturraum – ein Tag, der zeigte, wie internationale Zusammenarbeit konkret gelebt werden kann. Berlin, ohnehin eine Stadt der Vielfalt, wurde an diesem Tag um eine spürbare Erfahrung reicher. Als zentraler Akteur brachten wir die Kultur Usbekistans auf die Bühne des Humboldt Forums. Das Projekt fand unter der Leitung des Humboldt-Forums gemeinsam mit sechs weiteren Berliner Kulturvereinen statt, die kulturelle Aspekte des Navro’z aus weiteren Ländern präsentierten.
Navro’z – kulturelles Erbe Erleben
Navro’z ist das Neujahrs- und Frühlingsfest, das von über 300 Millionen Menschen entlang der Seidenstraße begangen wird. Es gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO und markiert seit über 3.000 Jahren den Neubeginn, die Tag-und-Nacht-Gleiche – den Moment, in dem Natur und Gemeinschaft gleichermaßen erwachen. Im Humboldt Forum kamen Kulturen aus Zentralasien, dem Iran, Afghanistan und kurdischen Regionen zusammen und präsentierten ihre Perspektiven auf dieses gemeinsame Erbe. Navro’z wurde erfahrbar gemacht: Zwischen Musik, Bewegung und Begegnung.
Der Auftakt setzte ein klares Zeichen: Die kraftvollen Klänge von Karnay und Surnay öffneten den Raum – akustisch wie atmosphärisch.
Highlights unseres Programms
Auf der Bühne verbanden sich traditionelle Tänze, Gesang und musikalische Virtuosität zu einem vielschichtigen Bild usbekischer Kultur. Renommierte Künstlerinnen wie die Tanzmeisterin Malika Khaidarova oder die Sängerin Dilfuza Qobilova standen dabei nicht nur für künstlerische Exzellenz, sondern für gelebte Tradition.
Beim Konzert der Sängerin Dilfuza Qobilova mit ihrem Ensembles „Milliy Meros“ der staatlich usbekischen Philharmonie wurde traditionelle usbekische Volksmusik zu Navro’z live dargeboten. Alle auftretenden Künstler sind Mitglieder der OÊ»zbekiston Davlat Filarmoniyasi (Staatliche Philharmonie der Republik Usbekistan) – der zentralen staatlichen Konzertinstitution des Landes. Sie repräsentieren Usbekistan regelmäßig bei offiziellen Staatsveranstaltungen sowie bei internationalen Kulturfestivals.
Die usbekische Musiktradition ist geprägt von jahrhundertealten höfischen und volkstümlichen Strömungen. Instrumente wie Karnay und Surnay sind eng mit öffentlichen Feierlichkeiten verbunden, während der Maqom-Gesang zu den anspruchsvollsten Formen klassischer Musik Zentralasiens zählt. Das Konzert bietet daher nicht nur musikalische Darbietungen, sondern eine Begegnung mit kultureller Identität, historischer Kontinuität und zeitgenössischer Interpretation traditioneller Kunstformen. Das Publikum hatte so die Möglichkeit, den musikalischen Teil des kulturellen Erbes Usbekistan zu erleben und neben dem Gesang auch den Klängen traditioneller Instrumente Karnay, Surnay und Doira zu lauschen.
Ein klares Highlight war auch der Tanzworkshop mit Malika Khaidarova – Dozentin und Meisterin des Ethno-Tanzes. Bei dem Workshop konnten die Teilnehmer*innen selbst die Magie traditioneller usbekischer Tänze erfahren und somit einen Teil der usbekischen Traditionen zu Navro’z erleben. Der traditionell von Frauen und Mädchen getanzte Fergana-Stil stand im Zentrum dieses Workshops. Die weiche Eleganz und innere Präsenz dieses Tanzes repräsentiert eine würdige, kraftvolle und feinsinnige Form der Weiblichkeit. Nebenden Grundlagen des traditionellen Fergana-Stils erhielten die Teilnehmerinnen auch einen EInblick in die traditionelle musikalische Struktur und zeitgenössische Interpretationen des usbekischen Tanzes.
Die Stimmung des Frühlingsfestes wurde zusätzlich durch umfassende musikalische, spielerische und tänzerische Einlagen zu den usbekischen Traditionen des Navro’z auf der Bühne im Foyer untermauert.
Doch das Erleben usbekischer Traditionen ging über das Bühnenprogramm hinaus: Kinder bastelten Drachen, Mädchen flochten Zöpfe, Familien gestalteten Blumenkränze.
Zudem gab es ein umfassendes Workshop-Programm für Familien. Der Workshop „40 Zöpfe“ (qirq kokil) vermittelt eine traditionsreiche usbekische Haarflechtkunst mit tief verwurzelter symbolischer Bedeutung. Das Flechten zahlreicher feiner Zöpfe unter Einarbeitung eines speziellen Flechtbandes, des „Jamalak“, ist in Usbekistan seit Jahrhunderten verbreitet. Es gilt als Ausdruck von Schönheit, Weiblichkeit und kultureller Identität. Das Flechten war zudem ein sozialer Akt: Mütter, Großmütter und Töchter kamen hier zusammen. So wurde Wissen über Generationen hinweg weitergegeben – verbunden mit Fürsorge, Wärme und familiärer Nähe. Die gemeinsame Vorbereitung stärkte den familiären Zusammenhalt und festigte kulturelle Werte.
Weiterhin präsentierten wir einen interkulturellen Familienworkshop zur Gestaltung traditioneller usbekischer Drachen – dem Varrak. Besonders zu Navro’z wird das Steigenlassen der Drachen zu einem generationsübergreifenden Ritual: Kinder gestalten ihre Drachen eigenständig oder gemeinsam mit Eltern und Großeltern. Unabhängig von Alter oder sozialem Hintergrund entsteht ein gemeinschaftlicher Moment, der Menschen verbindet und das Erwachen der Natur feiert.
In einem weiteren Familienworkshop wurden Blumenkränze „Gulchambar“ geflochten, eine lebendige, gemeinschaftliche Tradition. Das Flechten solcher Kränze aus verschiedenen Blumen steht sinnbildlichfür das Erwachen der Natur und die Freude über den kommenden Frühling.
Begleitend wurde zudem ein kulinarisches Programm und ein Bazar geboten. Neben den Highlights der erlebbaren Kultur zu Navro’z lud der Duft von Plov und frisch gebackenen Samsa zum Probieren der traditionellen Speisen ein. Ein Basar sorgfältig ausgewählte traditionelle Handwerkskunst sichtbar, erlebbar und für Besucher erwerbbar machte.
Hier wurde Kultur angeeignet, ausprobiert und weitergetragen. Diese Beiträge waren Teil eines kuratierten Gesamtprogramms, das San’at e.V. im Vorfeld konzipiert hatte. Die interne Planung zeigt, wie bewusst einzelne Elemente – Musik, Tanz, Workshops und audiovisuelle Inhalte – miteinander verzahnt wurden, um ein ganzheitliches Erlebnis zu schaffen.
Kulturelle Brückenbauer und Modell für die Zukunft
Was diesen Tag besonders machte, waren neben den einzelnen Programmpunkten die Art der Präsentation als gelebte Praxis im Raum:. Gespräche entstanden beiläufig – zwischen Generationen, Kulturen und Hintergründen. Kinder erklärten ihren Eltern das eben Gelernte, Besucher:innen blieben länger als geplant, weil sich immer neue Perspektiven eröffneten. Das Fest wurde zu einem sozialen Raum: offen, durchlässig, einladend. Ein Moment, in dem aus Publikum Beteiligte wurden.
Im Zentrum dieser Entwicklung stand unser Verein und unsere Gründerin Zukhra Rakhmatova als Kuratorin eines kulturellen Dialogs. Ihr Ansatz: Kultur nicht isoliert zu präsentieren, sondern als verbindendes Element zu denken – zwischen Ländern, Institutionen und Menschen. In der Zusammenarbeit mit dem Humboldt Forum und sechs weiteren Vereinen entstand so ein Format, das über den einzelnen Tag hinausweist.
Was bleibt, ist mehr als die Erinnerung an einen gut besuchten Tag. Das Navro’z-Fest zeigt, welches Potenzial in Formaten liegt, die nicht nur präsentieren, sondern involvieren. In einer Zeit, in der kultureller Austausch oft abstrakt bleibt, bietet dieses Modell eine konkrete Antwort: Begegnung entsteht dort, wo Menschen aktiv teilnehmen.Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Bedeutung dieses Tages – als leiser Hinweis darauf, wie kultureller Dialog in europäischen Städten künftig aussehen kann.
Weitere Informationen
Ausstellung „Ein Vermächtnis über Jahrhunderte hinweg – Die usbekische Miniaturkunst“
Ort: Botschaft der Republik Usbekistan in Berlin
Datum: 18.02.2026
Anlass: 585. Jubiläum von Alisher Navoi und des 543. Geburtstages von Zahiriddin Muhammad Bobur
Kuratorin: Zukhra Rakhmatova
Künstler: Avazbek Qodirov, Zilola Sulaymonova, Shohrux Butayev, Sabrina Jonibekova, Olim Omonov, Ibrat Fayzullaev
Die Ausstellung „Ein Vermächtnis über Jahrhunderte hinweg – Die usbekische Miniaturkunst“ von San’at – Forum für Kunst, Kultur und Wissenschaft e.V. anlässlich des 585. Jubiläums von Alisher Navoi und des 543. Geburtstages von Zahiriddin Muhammad Bobur präsentiert zeitgenössische Positionen der Miniaturmalerei aus Usbekistan und untersucht deren Verwurzelung in einer jahrhundertealten Bild- und Literaturtradition Zentralasiens. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich eine klassische Kunstform im Spannungsfeld von historischer Überlieferung und gegenwärtiger künstlerischer Praxis neu definiert.
Ausgangspunkt der Ausstellung bildet das literarische Erbe von Alisher Navoi und Zahiriddin Muhammad Babur, deren Werke seit dem 15. Jahrhundert zu den wichtigsten Quellen der Miniaturmalerei in Zentralasien zählen. Ihre Dichtung prägte nicht nur die literarische Kultur der Region, sondern auch eine reiche visuelle Bildsprache, in der Ethik, Spiritualität, Natur und gesellschaftliches Leben miteinander verwoben sind.
Ein zentraler Teil der Ausstellung widmet sich zeitgenössischen Miniaturen, die von Szenen aus der Chamsa Navoi inspiriert sind – einem der bedeutendsten poetischen Zyklen der Turksprachen und damit Ursprung der usbekischen Literaturtradition. Diese Werke knüpfen an die historische Praxis der Kalligraphie an und übertragen ihre narrative Bildlogik in die Gegenwart.
Darüber hinaus zeigt die Ausstellung Miniaturen mit Darstellungen von traditionellen Teehäusern, Basaren, Musik und sozialen Begegnungen. Die Motive visualisieren gesellschaftliche Strukturen und kollektive Erfahrungsräume. Sie machen sichtbar, wie sich die kulturelle Identität des usbekischen Volkes in Bildern formt und bewahrt.
Zeitgenössische Miniaturkunst aus Usbekistan
Zukhra Rakhmatova bei ihrer Eröffnungsrede
Botschafter Dilshod Akhatov bei der Eröffnung der Ausstellung
Die Miniaturmalerei hatte ihre Blütezeit vom 14. bis 16. Jahrhundert, insbesondere während der Timuridenzeit. Sie entwickelte eine eigenständige Bildsprache in einer flachen Perspektive ohne Schatten und Tiefe, jenseits westlicher Perspektivsysteme. Raum, Zeit und Handlung erscheinen nicht illusionistisch, sondern simultan und symbolisch organisiert. Farbe, Ornament und Komposition dienen nicht der naturalistischen Abbildung, sondern der Vermittlung geistiger Inhalte, narrativer Verdichtung und ästhetischer Ordnung.
Die präsentierten Werke sind Arbeiten von Lehrenden und Absolventen zweier zentraler Ausbildungsstätten der usbekischen Miniaturkunst: der Abteilung „Miniatur und Buchgrafik“ des Nationalinstituts für Kunst und Design, benannt nach Kamoliddin Behzod, sowie der Republik-Spezialkunstschule für Lackminiatur, benannt nach Pavel Benkov, trägt. Die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler verdeutlicht die Weitergabe künstlerischer Prinzipien über Generationen hinweg und zeigt zugleich individuelle zeitgenössische Handschriften innerhalb einer gemeinsamen Tradition.
Die Ausstellung lädt dazu ein, Miniaturmalerei nicht nur als historisches Artefakt, sondern auch als lebendige visuelle Sprache zu entdecken – als Kunstform, die Literatur, Geschichte und Gegenwart in einem verdichteten Bildraum miteinander verbindet.
Erste Ausstellung geretteter Werke zeitgenössischer usbekischer Künstler
Ort: Botschaft der Republik Usbekistan in Berlin
Datum: 02.06.2025
Anlass: Unternehmerinnenkonferenz „Women in Business & Society: Unternehmerinnen aus Usbekistan und Deutschland im Dialog“
Kuratorin: Zukhra Rakhmatova
Künstler: Sharifa Sharafkhodjaeva, Diyor Razikov, Nuriddin Rasulov
Projektbeschreibung:
Diese Ausstellung bildete den Ausgangspunkt für die Gründung des Vereins San’at – Forum für Kunst, Kultur und Wissenschaft. Gezeigt wurden gerettete Werke zeitgenössischer usbekischer Künstler, die während der Pandemie in Europa verschollen waren und von der Kunsthistorikerin und Kuratorin Zukhra Rakhmatova in einer mehrwöchigen Suche wiedergefunden und bewahrt wurden.
Die Präsentation in der Botschaft der Republik Usbekistan in Berlin stand symbolisch für die „Rückkehr der Kunst in die Heimat“ und markierte den öffentlichen Auftakt des Vereins. Im Rahmen der Konferenz wurde nicht nur die Ausstellung eröffnet, sondern auch die Gründung von San’at offiziell bekanntgegeben.
Als kulturelle Brückenplattform zwischen Deutschland und Usbekistan gestaltete San’at das Programm des Abends aktiv mit. In Kooperation mit der Primo Piano Musikschule wurde ein musikalischer Beitrag in das offizielle Programm integriert, bei dem ausgewählte klassische Kompositionen präsentiert wurden. Der künstlerische Rahmen bereicherte die Konferenz und schuf einen lebendigen Raum für interkulturellen Austausch zwischen Unternehmerinnen, Kulturschaffenden und Gästen aus beiden Ländern. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie Kunst Menschen verbindet und Dialog ermöglicht.
Weitere Informationen:
Geplante Projekte
Unsere Projekte verbinden zeitgenössische Kunst, kulturelles Erbe, Bildung und interkulturellen Dialog zwischen Usbekistan und Deutschland. Die nachfolgenden Projekte sind aktuell in Planung
Internationale Kinderkunstausstellung zum Internationalen Kindertag (1. Juni)
Zum Internationalen Kindertag organisiert San’at eine internationale Kinderkunstausstellung mit Werken von Kindern aus Usbekistan und Deutschland. Präsentiert werden Arbeiten aus führenden Kunstschulen Usbekistans sowie von jungen Künstler:innen aus Deutschland.
Die Ausstellung schafft einen kreativen Raum für Begegnung, Austausch und gegenseitiges Kennenlernen.
Ziel: Förderung kultureller Bildung, Kreativität und internationaler Verständigung von Kindesalter an.
Deutsch-usbekisches Restaurierungs- und Wissensaustauschprojekt mit Dr. Anke Scharrahs
Projektbeschreibung: San’at plant ein internationales Restaurierungs- und Wissensaustauschprojekt in Kooperation mit der renommierten deutschen Restauratorin Dr. Anke Scharrahs. Dr. Scharrahs ist eine weltweit anerkannte Expertin für Konservierung und Restaurierung historischer und polychromer Holzobjekte sowie kunsthistorischer Innenräume. Sie verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Erforschung und Restaurierung bedeutender kulturhistorischer Objekte, darunter internationale Restaurierungsprojekte wie die langjährige Restaurierung des berühmten Aleppo-Zimmers im Museum für Islamische Kunst in Berlin.
Im Rahmen dieses Projekts soll Dr. Scharrahs nach Usbekistan eingeladen werden, um gemeinsam mit lokalen Museen, Restaurator:innen und Kunstinstitutionen fachlichen Austausch zu initiieren, Workshops und Vorträge anzubieten und gemeinsame Ansätze zur Bewahrung kulturellen Erbes zu entwickeln.
Ziel: Aufbau nachhaltiger Kooperationen im Bereich Restaurierung und Kulturerhalt, professioneller Erfahrungsaustausch zwischen Deutschland und Usbekistan sowie Stärkung des kulturellen Dialogs durch gemeinsames Wissen und praktische Zusammenarbeit.
Jubiläumsprojekt „35 Jahre Unabhängigkeit Usbekistans“
Anlässlich des 35-jährigen Jubiläums der Republik Usbekistan plant San’at ein kulturelles Jubiläumsprogramm mit Ausstellungen, Konzerten und Vorträgen in Deutschland und Usbekistan.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Miniaturkunst zur „Baburnama“ sowie dem kulturellen Erbe von Amir Timur.
Ziel: Internationale Sichtbarmachung des kulturellen Erbes Usbekistans und Förderung des kulturellen Dialogs.
Projekt zum Tag der usbekischen Sprache
Das Projekt widmet sich der Förderung der usbekischen Sprache als Teil des kulturellen Erbes. Geplant sind Lesungen, Literaturabende und Bildungsformate für ein breites Publikum.
Ziel: Vermittlung sprachlicher Vielfalt und Förderung interkultureller Bildung.